Frühe Historie der Linde

Erste urkundliche Erwähnung Wildenbruchs

Wir schreiben das Jahr 1375 – im Landbuch Kaiser Karls IV. wird die Siedlung Wildenbruke erstmalig erwähnt. Der Name deutet daraufhin, dass sich die Ortschaft in der Nähe eines wilden, öden Sumpfes befindet. Erwähnt wird im Landbuch auch, dass sich hier eine Handelsstraße mit einem umsatzstarken Krug befindet – es wird vermutet, dass es sich hierbei um einen direkten Vorgänger unseres heutigen Gasthofes Zur Linde handelt.

Archäologische Funde reichen mehr als 10.000 Jahre zurück

Aber Wildenbruke, das heutige Wildenbruch, blickt auf eine weit längere Historie zurück. Besiedelt wurde diese Region am Seddiner See schon vor mehr als 10.000 Jahren, als aus den jungsteinzeitlichen Jäger- und Sammlerkulturen sesshafte Bauern wurden. Bei der Restaurierung der Kirche wurden Tonscherben gefunden, die auf eine frühe Besiedlung durch elbgermanische Sueben hinweist. Nach der Germanenwanderung ab dem dritten und vierten Jahrhundert zogen ca. dreihundert Jahre später Slawen in die Region.

Gründung der Mark Brandenburg

Nachdem die Mark Brandenburg im Jahr 1157 von Albrecht dem Bären gegründet wurde, setzte hier in den folgenden Jahren und Jahrzehnten die Deutsche Ostsiedlung ein, die durch die Einwanderung deutscher Siedler in die zuvor überwiegend slawisch bewohnten Gebiete gekennzeichnet ist. In diese Zeit fällt auch der Bau der Wildenbrucher Feldsteinkirche, bei dem Zisterzienser-Mönche des Klosters Lehnin beratend tätig gewesen sein sollen. Ihren Höhepunkt erreichte die Siedlungsbewegung an der Wende zum 14. Jahrhundert. Im Zuge dieser Einwanderung wurden Städte und Kolonistendörfer nach deutschem Recht angelegt; bestehende Dörfer und frühstädtische Siedlungen wurden erweitert und umstrukturiert.

Wildenbruch im Mittelalter

Im 16. Jahrhundert zählte die Adelsfamilie von Rochow zu den einflussreichsten Familien in der Gegend – 1550 gehörte auch Wildenbruch den Rochows als Pfandstück. In diesen Jahren findet auch der Dorfkrug Wildenbruchs erneut Erwähnung: Der namentlich nicht genannte Besitzer des Gasthofes musste seinerzeit "3 Scheffeln Roggen, 5 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Gerste und 6 Groschen Zins" als Dienstgeld entrichten. Wildenbruch, an einer strategisch günstigen Lage zwischen Kähnsdorfer und Seddiner See gelegen, kam in dieser Zeit auch die Sicherung der hier entlangführenden Heer- und Handelsstraße zu. Ein Teil dieser historischen Route besteht heute mit der Alten Poststraße weiter.

Der Dreißigjährige Krieg

Der Dreißigjährige Krieg brachte für das Dorf enorme Belastungen mit sich. Durch Teile der Schwedischen Armee, die bei Tremsdorf ein festes Lager aufgeschlagen hatte, wurde es im Januar 1631 geplündert. Im Oktober desselben Jahres wurde – wiederum durch die Schweden – der alte Dorfkrug niedergebrannt. Die Pestwelle raffte zeitgleich ein Drittel der Bevölkerung dahin, so dass zum Ende des Krieges (1648) von 18 Gehöften nur sechs verblieben. Der verwüstete Dorfkrug wurde erst rund 50 Jahre später, 1694, wieder aufgebaut.

Wildenbruch im 19. Jahrhundert

Unter den Napoleonischen Kriegen litt Wildenbruch besonders stark, da rund 14.000 Soldaten hier stationiert und zu versorgen waren; die Offiziere hatten sich in den Häusern einquartiert. Nach den Befreiungskriegen und der Niederlage Napoleons wurden die Landkreise im preußischen Staat neu geordnet – Wildenbruch wurde zur eigenständigen Gemeinde innerhalb des neu gegründeten Landkreises Zauch-Belzig.

 

Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf Grundmauerresten aus mittelalterlichen Feldsteingefügen das Gebäude errichtet, in dem sich heute der Gasthof Zur Linde befindet. Der Bauherr und erste Besitzer des Hauses stammte aus der in Wildenbruch ansässigen Familie Wolter, deren Familiengeschichte sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Die Wolters bewirtschafteten das Haus von Anfang an als Gasthof– damals noch unter dem Namen Zur Grünen Linde – und richteten hier später auch einige Gästezimmer ein.